
rap.de: Es ist mir ein Ehre dich zu interviewen!
GMF: Danke. Vielen Dank. Können wir uns darauf einigen während des Interviews den Begriff Hip Hop zu benutzen und nicht Rap?
rap.de: Ok. Grandmaster of Rap?
GMF: NEIN! Lass uns einfach Hip Hop statt Rap sagen.
rap.de: Habe ich schon wieder Rap gesagt?
GMF: Ist schon alles okay. Lass uns einfach den Begriff Hip Hop benutzen. Rap ist nicht mein Ding. Ich mache Hip Hop.
rap.de: Und wie nennst du dann die Musik der Hip Hop-Kultur?
GMF: Hip Hop-Musik. Es gibt doch vier Elemente.
rap.de: Ja, aber Hip Hop ist doch eine Kultur und ein Tanz. Nein das war nur ein Witz. Aber hier in Deutschland kann man in Tanzschulen HipHop-Tanzkurse belegen.
GMF: Oh. Okay. Es ist nach wie vor eine Kultur, aber auch die Musik. Ich bevorzuge den Begriff Hip Hop. Ich mag ihn.
rap.de: Ich auch. Viele Menschen mögen ja anscheinend keinen Hip Hop mehr oder sie schämen sich, zuzugeben, dass sie aus dieser Kultur kommen. Manche Rap-Künstler zumindest.
GMF: Warum?
rap.de: Manche sagen halt sie würden Straßenrap machen, aber sie hätten eben mit Hip Hop nichts zu tun.
GMF: Was ist Straßenrap, wenn es kein Hip Hop ist?
rap.de: Das will ich auch gerne wissen. Manchmal sind es einfach Storys von der Straße. Die Rapper erzählen, wie sie ihr Geld gemacht haben und dass sie nie bei irgendwelchen Jams waren, sondern an der Straßenecke gedealt haben.
GMF: Aha. So ist das also?
rap.de: Ja, so versuchen sie sich zumindest darzustellen.
GMF: Sich darzustellen? Aber Hip Hop ist real. Lets go. Pack deine Fragen aus.
rap.de: Ja. Aber was denkst du denn, wenn ich dir so was erzähle?
GMF: Solche Storys habe ich noch nie gehört. Aber mein Gott, soll jeder machen was er will. Ich urteile nicht über die Menschen. Es hat nichts mit Hip Hop zu tun.

rap.de: Meinst du nicht, dass du den Kids Hip Hop erklären kannst?
GMF: Hip Hop besteht aus vier Elementen. Das wissen alle.
rap.de: Ich glaube, sie haben das vergessen.
GMF: Nein, sie haben das nicht vergessen. Sie leben den Spirit der Graffiti-Artist, der MCs, der Breaker und der DJs. Das muss ich niemandem mehr erklären. Wenn du das nicht weißt, dann hast du nichts mit Hip Hop zu tun.
rap.de: Glaubst du an die vier Elemente?
GMF: Ja, absolut.

rap.de: Wie groß ist Graffiti in New York momentan?
GMF: Keine Ahnung, ich bin kein Graffiti-Künstler.
rap.de: Aber wenn du ein Hip Hop Künstler bist, müssten dich doch alle Elemente interessieren.
GMF: Ja, es interessiert mich ja auch, aber ich weiß trotzdem nicht, wer welchen Namen taggt und wie groß der und der Künstler ist. Klar, bin ich Hip Hop, aber ich bin ein DJ. Wenn du mich bitten würdest zu breaken, wäre ich wahrscheinlich grotte, würde ich emceen, wäre ich grotte, bitte mich, was zu malen und ich wäre katastrophal, aber wenn du mir Fragen über das DJing stellst, willst, dann bin ich ein Experte, dann kann ich dir alles beantworten. In den anderen Sachen, bin ich nun mal kein Experte.
rap.de: Interessierst du dich noch für Veranstaltungen wie ITF or DMC Championships?
GMF: Grundsätzlich interessiere ich mich auf jeden Fall dafür. Ich interessiere mich für jeden, der meine Kunst auf ein neues Level bringt. Aber ich höre nicht wirklich viel darüber. Ich hätte gerne mehr Zeit, um mehr von diesen Veranstaltungen besuchen zu können, aber ich habe eine Mission und deshalb muss ich viel reisen und ich kann nicht überall sein. Ich werde in Japan gebraucht, ich werde in Australien gebraucht, ich werde in Deutschland gebraucht, in Russland gebraucht, in Amerika gebraucht. Ich werde auf der ganzen Welt gebraucht.
rap.de: Warum wirst du gebraucht?
GMF: Warum werde ich gebraucht? Weil ich einer der Architekten, einer der Erbauer dieser Kultur bin.
rap.de: Und was ist deine Mission?
GMF: Meine Mission ist zu lehren.

GMF: Ich bin dafür, Leute klassenmäßig im DJing zu unterrichten oder Kurse zu geben, ja, auf jeden Fall. Aber ich würde das erst in Angriff nehmen, wenn ich weiß, dass ich genug Zeit habe, um da zu sein und die qualität zu überprüfen. Ich müsste kontrollieren, dass auch alles korrekt abläuft und ich würde es nicht in die Hände eines Unternehmens geben wollen, das dann irgendetwas daraus macht, was es nicht ist.
rap.de: So wie Red Bull? (Gelächter)
GMF: Red Bull ist doch okay, ich trinke es nicht, aber es ist okay.
rap.de: Die Red Bull Music Academy lädt doch DJs ein, um zu unterrichten.
GMF: Wie nennt sich das?
rap.de: Red Bull Music Academy.
GMF: Ich sehe Leute in Clubs, die Red Bull trinken.
rap.de: Das ist ein österreichisches Unternehmen, die eben auch kulturelle Veranstaltungen unterstützen und in diesem Rahmen auch DJing, aber natürlich haben die da auch ein Marketing-Interesse daran, nun ja..
GMF: Sie haben ein Marketing Interesse am DJing? Und Red Bull?
rap.de: Ja, die DJs trinken Red Bull und dann performen sie besser.
GMF: (lacht) Okay, vielleicht. Wenn die meinen. Ich kenne Red Bull, aber es interessiert mich nicht.
rap.de: Was mich aber interessiert ist: Wie war es als du das DJing sozusagen erfunden hast.
GMF: Kommen wir jetzt also endlich zu meinem Fachgebiet, ja? Gut. Kein Graffiti mehr, kein Emceen mehr, jetzt gehts um das DJing. Also, fangen wir an.
rap.de: Wie war der Vorgang und das Gefühl, als du Turntableism erfunden hast? Ich glaube ja, dass, wenn man etwas noch nie dagewesenes zum ersten mal macht, dann ist einem noch nicht unbedingt bewusst, dass man gerade etwas vollkommen neues erfindet.
GMF: Ja. Das stimmt. Ich habe damals die anderen DJs beobachtet und die haben den Tonarm auf die Platte gesetzt und die Lieder von Anfang bis Ende durchgespielt. Ohne es zu realisieren, fand ich, dass irgend etwas fehlte. Von diesem Moment an, dachte ich, ich muss etwas finden, dass die dass die Stile verbinden könnte: von Punk zu Rock, zu Blues, zu Funk, zu Disco. das waren die Breaks. Du musst aber bedenken, dass die Stücke zu der Zeit sehr kurze Breaks hatten, manchmal nur zehn Sekunden lang. Was mich letztendlich dazu brachte, diesen Style zu kreieren, war Frustration. Der Drummer machte sein Ding sehr gut, aber plötzlich war er nicht mehr da. Warum? Ich habe mich gefragt, warum? Warum? Warum? Warum spielt jetzt wieder die ganze Band. Warum kann der Drummer nicht länger spielen? Das Problem ist, dass die Platten eben so gemacht wurden. Das hat mich frustriert und ich glaube, so werden die meisten Sachen erfunden, aus purer Frustration über die Dinge wie sie sind. Also okay. Dieses Ding existiert, wie kann ich es also so ändern, dass es mir gefällt? Wie ich es für richtig halte? Zu der Zeit hatten DJs ihre Samtbürsten dabei und sie reinigten damit ihre Platten sehr fein und säuberlich, so als würden sie ihre neugeborenen Babys baden. Ich fand das früher immer etwas seltsam, und ich fragte mich, warum die das machen?
rap.de: Na, weil sie ihre Platten geliebt haben.
GMF: Okay. Sie liebten die Platten. Aber alles was ich sah, war, dass sie entweder die Ränder oder das Label anfassten und sonst nichts. Der alles entscheidende Moment für mich war, als ich mich fragte: Wie mache ich aus diesem zehnsekündigen Break einen zehnminütigen Break? Wie komme ich von einem Michael Jackson Break zu einem Led Zeppelin Break, so das all diese Tracks zu einem einzigen Song verschmelzen? Der bedeutendste Moment war dann, als ich mich entschied, meine Hand auf das Vinyl zu legen, während die Platte sich drehte. Als ich das tat und es zum ersten mal hören konnte, dass ich die Kontrolle hatte über die Zeit und die Breaks, dass ich entscheiden konnte, wie lange so ein Break sein konnte, ging ich auf einen Schrottplatz und sammelte dort alte Plattenspieler und Mischpulte und Boxen und alte Verstärker, brachte sie nach Hause und fing an, alles zusammen zu schrauben, damit ich ein Soundsystem in meinem Zimmer hatte.

rap.de: Du hast eine Ausbildung als Elektrotechniker. Hat dir das geholfen?
GMF: Ja, absolut. Aber erst als ich ein Ziel hatte, bekam das alles einen Sinn für mich. Die ganzen verschiedenen Farben auf den Platinen, wenn du die Geräte aufgeschraubt hast, das bedeutete plötzlich was. Als Kind habe ich das nicht kapiert. ab diesem Zeitpunkt ging ich also regelmäßig auf Schrottplätze und sammelte alles ein, was Sinn machte.
rap.de: Warst du eines dieser Kinder, die alle Haushaltsgeräte aufschrauben?
GMF: Ja, ich war eines dieser Kinder. Ich habe alles iaufgeschraubt, auch Sachen, die ich nicht aufschrauben durfte, wie zum Beispiel die Waschmaschine und den Fön meiner Schwestern, die mich hassten. Sie schrieen mich an: "Was hast du schon wieder mit dem Fön gemacht?" Ich habe sie ja wieder zusammengebaut und manchmal funktionierte das nicht, aber ich wollte eben wissen, wie die Dinger zusammengebaut waren. Ich wollte wissen, warum sie funktionierten. Da war wieder dieses "warum?"

rap.de: Mischen ist ja jetzt totaler Standard, aber damals gab es das ja noch nicht.
GMF: Es war noch nicht da und ich ich musste ja erst noch die richtigen Turntables finden, mit dem richtigen Motor und dem richtigen Antrieb, so dass der Plattenteller sich eben weiter drehte, wenn ich meine Hand auf der Platte hatte. Die Plattenspieler, die ich von den Schrottplätzen hatte, waren absolut furchtbar. Aber dann hatte ich einen Job als Paketzusteller

und manchmal lieferte ich an ein Firma aus, die genau neben einem Elektro-Laden saßen und eines Tages standen dort absolut hässliche Turntables im Schaufenster. Ich ging hinein und fragte den Verkäufer, ob ich die Dinger mal auschecken könnte. Die Leute schauten mich an, als wäre ich verrückt, aber ich bestand darauf, dass der Mann mir das Gerät aus dem Fenster holte und ich entfernte die Gummiunterlage und ersetzte sie durch Papier und so konnte ich die Platte bewegen UND der Plattenspieler drehte sich trotzdem weiter!!!!!! Diese Turntables waren von einer damals total unbekannten Marke namens Technics und das Modell war der SL-20, 14 Jahre vor dem 1200er und sie haben damals 70 Dollar gekostet pro Stück. Ich habe das Geld zusammen gespart und zwei davon gekauft. Aber ich musste auch noch rausfinden, welche Nadeln man benutzen konnte und ich musste einen Mixer nehmen und ein Peek-A-Boo-System kreieren, damit ich switchen kann.
rap.de: Das hast du dann selbst gebaut?
GMF: Ja, klar, diese Sachen gab es damals noch nicht. Vergiss das nicht, das gab es damals alles noch nicht, außer in meinem Kopf. Aber sobald ich in der Lage war, diese drei Elemente zusammenzubauen, konnte ich losgehen und Platten mit Breaks jeglicher Länge kaufen. Denn alles was ich wissen musste, war, wann der Break anfängt und wann er endet. Der nächste Schritt war dann die Quick-Mix-Theorie.
rap.de: Ja. Bitte erklär uns wie das funktioniert.
GMF: Folgendermaßen. Auf der Platte, also, wenn du die Platte so schräg gegen das Licht hältst, dann ist die hellste Stelle immer der Break, weil da am wenigsten Musiker gespielt wird und die Rillen dünner sind. Also nahm ich einen Buntstift und markierte diese Stelle. mit einem Strich. Wenn ich den Break dann laufen ließ, konnte ich sehen, wie oft er sich am Tonabnehmer vorbei gedreht hat und so konnte ich sehen, wie lang der Break war. Und weil die Stelle markiert war, brauchte ich nur die gleiche Zahl umdrehungen zurück drehen und so zum Anfang des Breaks zurück gehen, so oft ich wollte. Wenn ich das den Leuten gezeigt habe, dachten sie, ich wäre verrückt. Ich will real mit dir sein. Ich habe das jahrelang gemacht und das einzige Publikum, das sich hatte, war mein Hund. Ich habe das Jahrelang geübt, alleine in meinem Zimmer und meinen Freunden, die mich zum Rumhängen abholen wollten, habe ich immer gesagt "ich komme gleich" aber ich bin nie gekommen, biss sie mich dann auchh nicht mehr besucht haben. Außerdem lag in meinem Zimmer überall Zeug rum
rap.de: Technisches Zeug?
GMF: Ja, den Bergriff mag ich. Es lag wirklich überall technisches Zeugs rum, deswegen hingen meine Freunde auch nicht bei mir zuhause ab. Da waren nur mein Hund und ich.
rap.de: Also warst du ein Nerd?
GMF: (Pause) Ja. Ich denke man kann das ruhig so sagen. Ich war ein Nerd und ich bin sehr stolz drauf. Bill Gates ist auch ein Nerd. Viele krasse Leute sind Nerds.
rap.de: Ja, auf jeden Fall. Nerds erfinden Dinge. Die coolen Leute erfinden nichts.
GMF: Ja? Ist das so? Ich war auf jeden Fall nicht cool. Ich war immer sehr schüchtern.
rap.de: Stay away from the casanovas!
GMF: (lacht) Nun, die Leute haben es nicht verstanden, was ich da machte. Ich kann mich daran erinnern, als ich es dann das erste mal präsentiert habe im Park, haben die Leute sich nach vorne gedrängelt, um zu sehen was ich da mache.
rap.de: Aber du hast es ihnen nicht gezeigt.
GMF: Ich habe es nicht jedem gezeigt, aber irgendwann musste ich es meinen ersten DJ-Kollegen zeigen und das habe ich dann auch gemacht. Ich habe es ihnen ganz langsam beigebracht, es ihnen vorgemacht, die Kopfhörer in die Hand gedrückt und es sie nachmachen lassen. Sie haben es aber nicht hinbekommen. Ich habe mir dann auch einen anderen DJ-Partner gesucht und das war dann Mean Jean. Er hatte gute Kopfhörer, gute Verstärker, gute Mixer, gute Turntables und gute Platten.

rap.de: Und du hattest gute Skills.
GMF: Ja, ich hatte die Skills. Ich wollte das Mean Jean beibringen, und wir haben bei ihm zu hause geübt. Im Wohnzimmer war dann dieser kleine Junge, der die Nadel abnahm und wieder fallen ließ. Ich fragte Mean Jean "wer ist der kleine Dude?" und er sagte "das ist nur mein kleiner Bruder", daraufhin sagte ich "schau mal, was er macht, ich will ihn in der Crew", weil dann hätten wir einen Kleinen dabei und würden mehr Leute anziehen, so wie Kool Herc. Aber er drohte mir, dass, wenn ich seinen kleinen Bruder an die Turntables lassen würde, dann würden wir Stress haben. Jean war der Bully in der Gegend. Er lief rum, schlug Leute, er war ein grottenschlechter DJ, aber keiner hat sich getraut, es ihm zu sagen, denn mit ihm wollte man keinen Stress haben. Also ließ ich seinen Bruder heimlich an die Turntables, wenn Jean bei der Arbeit oder bei seiner Freundin war. Er musste sich auf eine Kiste stellen, weil er sonst zu klein war und er folgte meinen Ansagen.
rap.de: Du machst gerne Musik unter gefährlichen Umständen, oder?
GMF: (lacht) Ja wahrscheinlich. Eines Tages habe ich Jean aber die Wahrheit gesagt. Ich sagte zu ihm, dass er mich schlagen könne, aber dass ich seinen kleinen Bruder unterrichte. Er ist total ausgerastet, aber ich nahm meinen Mut zusammen und sagte zu ihm, er soll sich den Kleinen mal reinziehen. Also stieg der Kleine auf seine Kiste und zeigte seinem älteren Bruder, was er drauf hatte. Sein Name war Theodor, später wurde er Grand Wizard Theodor. Er war mein erster erfolgreicher Schüler und von da an, lernten es immer mehr Menschen, die mich nicht so sehr mochten, weil sie jetzt ihr Metier quasi neu erlernen mussten. Das ist also mein Beitrag zur Wissenschaft.
rap.de: Hast du dich wie ein Pionier gefühlt?
GMF: Nein! Gar nicht. Ich habe einfach was gemacht. Irgendwas gemacht. Cuts, Doubleback, irgendwas. In meinen wildesten Träumen wäre mir nie eingefallen, dass ich mal die Art verändern würde, wie Leute Musik machen.

rap.de: Du hast dir damals diese Maschine selbst gebaut. Wie hat es sich für dich angefühlt, als diese Dinge irgendwann mal Standard wurden und überall zu kaufen waren?
GMF: Ich hätte ein Patent beantragen sollen. Aber ich denke, es ist okay. Manche brauchen ein Leben lang, um etwas zu erfinden und wenn es dann fertig ist, wollen oder brauchen es die Leute nicht. Bei mir hat keiner nein gesagt, sondern alle haben nur gefragt, was das ist? Das könnte was sein. Immer wenn ich DJs sehe, denke ich, von allen Elementen ist DJing doch das anstrengendste. Das ist der Kampf Mensch gegen Maschine plus ein Haufen unbekannter Menschen vor dir, die tanzen wollen und die gesamte Verantwortung liegt bei dir.
rap.de: Was ist das Geheimnis eines guten DJs?
GMF: Er muss Menschen zum Ausflippen bringen.
rap.de: Ja. Aber wie?
GMF: Kommt drauf an, wie sich die Leute amüsieren wollen. Man muss auf Körpersprache

achten, Timing, was du spielst und wann du es spielst. Ich habe mir wirklich krasse DJs bei Contests angeguckt, die haben alle ganz neue Styles und alles, aber die richtigen Männer wie Q-Bert sind immer unterwegs. Wenn du deine Sache gut machst, dann klingelt dein Telefon immer und zwar so oft, dass du kein Leben mehr hast, weil du so gut bist. Menschen verlieben sich in deine Leidenschaft. Die Menschen achten nicht auf deine Technik, sie achten auf deine Leidenschaft und deine Liebe. Hip Hop ist Liebe.
rap.de: Was ist deine Leidenschaft?
GMF: Meine Kinder. Meine Musik. Andere Künstler rauszubringen. Ich will Soundtracks machen, Remixe und ich habe einen Deal mit einem Computerspiel-Entwickler, ich soll die Musik für ihr nächstes Spiel machen und es wird das krasseste Spiel aller Zeiten, das größte Spiel, das die Welt je erlebt hat. Ich kann dir nicht sagen, was es ist, aber wenn du Spiele spielst und mich kennst musst du nur noch eins und eins zusammen zählen und dann weißt du es. Okay.. zurück zur Frage. Ich bin vom kleinen schwarzen Jungen aus dem Ghetto zum Vater und Businessman und international bekanntem Star geworden. Das ist cool.
rap.de: Worum geht es in dem momentanen Projekt? Deiner neuen LP?
GMF: Es nennt sich "The Bridge" und Menschen haben mich gefragt, warum es so lange gedauert bis dieses Album rausgekommen ist, 21 Jahre. Es hat so lange gedauert, weil zu viele Menschen mir zu viele Deals angeboten haben, die mir nicht gepasst haben. Sie wollten, dass ich das Album mache, aber sie wollten, dass ich es auf eine bestimmte Art und Weis mache. Ich habe immer nein gesagt, bis ich die Gelegenheit bekam, das Album so zu machen, wie es in meiner Vorstellung als DJ klingen sollte und deshalb hörst du darauf unbekannte MCs, bekannte MCs, MCs, die die amerikanische Sprache nicht beherrschen, Hardcore, Underground, Jazz. All das, was Hip Hop ausmacht nämlich dass Hip Hop schon immer eine Mischung aus vielen Musikrichtungen war. Es gibt sogar Tracks, die den Breakern gewidmet sind, Menschen, die unglaubliche Dinge auf der Tanzfläche reißen. Das musste ich machen, ich musste zurück gehen zu Leute wie Grandmaster Caz, von den Cold Crush Brothers. Ich habe auch neuere MCs wie Snoop oder Busta Rhymes auf der Platte. Ich konnte viele verschiedene Stile kombinieren, Altes mit Neuem mischen.
rap.de: Ist es richtig gemixt?
GMF: Nein, das habe ich doch schon oft genug gemacht. Dieses Projekt ist eine reine Producer-Arbeit, also einzelne Tracks. Ich liebe die Arbeit, die ich darauf gemacht habe. Es ist endlich mal was anderes. Das Album besteht aus 20 Tracks, die alle verschieden Stile repräsentieren mit MCs, die alle verschiedene Sprachen sprechen. Französisch, Schwedisch, Englisch - alles mögliche.
rap.de: Wie hast du dich mit ihnen in Verbindung gesetzt? Wo hast du all diese MCs gefunden?
GMF: Es hat mich viele Nerven gekostet, viele Anrufe, viel Hinterherlaufen und viele Flüge.
rap.de: Hast du sie denn alle erreicht beziehungsweise warst du mit allen im Studio?
GMF: Mit den meisten schon, den anderen musste ich die Tracks zuschicken. Aber wie gesagt, die meisten sind letztendlich in mein Studio gekommen, um aufzunehmen. Am anstrengendsten waren aber die großen MCs, bei denen musst du erst mal zum Management durchkommen, dann zu den PAs, dann warten bis sie Zeit haben, aber am Ende war alles cool.
rap.de: David Toop, der Typ der Rap Attack geschrieben hat, meinte, als er anfangs seine Recherche gemacht hat, da gingen immer die Mütter der Leute ans Telefon und beim zweiten Teil des Buches musste er mit Plattenfirmen und Managern sprechen. Das Game hat sich also komplett geändert.
GMF: (lacht) Ja, so ist das. Auf der einen Seite ist da die kulturelle Liebe für die Kunst und dann ist da auf der anderen Seite das Big Business.
rap.de: Wie empfindest du denn die Entwicklung deines Métiers: Vom Jugendzimmer zum Millionen-Dollar-Business?
GMF: Ich habe einen Manager und ich habe Leute, die meinen Zeitplan für mich erstellen und meine Termine organisieren, denn wenn ich der bescheidene Typ bleiben will, der ich bin, dann müssen andere Leute eben einige meiner Tagesaufgaben übernehmen. Ich will zwei Dinge sein, ein Macher im Studio und ein Vater. Ich kann mich nicht um diese organisatorischen Dinge kümmern, denn Macher sind keine guten Businessmänner, sowie Businessmänner oft keine guten Macher sind.

rap.de: Vermisst du die Block-Partys?
GMF: Ich wünschte die Welt könnte einmal eine echte Block-Party sehen. Da hast du deinen Beifall bekommen, wenn sie dir gelungen ist. Die Leute kamen hin, sie amüsierten sich, die Party wurde ein Paar Wochen vorher angekündigt und dort habe ich immer meine neuen Beats ausprobiert. Das war Testgebiet. Wenn meine Beats scheiße waren, hauten die Leute ab, wenn es gut war, dann mochten sie dich. Und zwar alle, die Alten, die Jungen, alle jammten den ganzen Tag. Heute kannst du das nicht mehr machen, man bekommt die Lizenz nicht mehr, weil die Behörden es für zu gefährlich halten. Wenn es eine Block Party gibt, dann ist sie sehr klein, früher war der ganze Park voll.
rap.de: Damals, war der Erfindergeist überall. Menschen wollten Hip Hop kreieren, sie wollten ihn ausprobieren. Fehlt das heute?
GMF: Kid Capri, Jazzy Jeff, DJ Premiere, Funk Flex, große internationale DJs, die machen das heute noch und die müssen das machen. Das ist unsere Pflicht als DJs, denn es ist unmöglich immer die gleiche Schiene zu fahren. Es ist wirklich wichtig mit verschiedenen Stilen zu arbeiten, denn in jedem Teil der Welt und in jedem Land haben sie andere Favoriten.
rap.de: Was ist der Alltime Favorite Song?
GMF: (schreit) Ich habe keinen. Fragst du mich jetzt bescheuerte Fragen oder was?
rap.de: Nein. Das meine ich nicht. Ich will ja gar nicht wissen was dein Lieblingssong ist, sondern was weltweit der beliebteste Song ist. Welchen Song kannst du überall auf der Welt spielen?
GMF: Es gibt keinen.
rap.de: OPP von Naughty By Nature?
GMF: Mmmmh. Vielleicht.
rap.de: "Jump Around" von House Of Pain?
GMF: Mmmmmh. Auch vielleicht. Vielleicht. Vielleicht .
rap.de: "Jump Jump" von Kriss Kross.
GMF: (lacht. Sehr laut.)

rap.de: Oder "1,2,3 from New York To Germany". Der Song von dir mit Tomekk?
GMF: Nein. Ich habe wirklich keinen Lieblingssong. Ich habe so viele Songs und es ist jedes mal wieder "Try and Error" und es geht immer wieder darum, dass man neue Sachen kennen lernt. Sogar wenn du einen Fehler machst, lernst du was dazu. Wenn du was auflegst, was die Leute überhaupt nicht mögen, dann legst du halt den nächsten auf. Darum geht es im Hip Hop. Es ist halt immer wieder ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.
rap.de: Wie läuft dieser Track von Busta Rhymes, dieses Arab Money. Wie läuft das in Amerika?
GMF: Das ist richtig groß in Amerika.
rap.de: Würdest du den in Afghanistan auch spielen?
GMF: Oh ja. Ich habe gehört, dass es da ein paar Probleme gibt mit dem Song. Warum eigentlich?
rap.de: Er hat da Zeilen aus dem Koran benutzt für die Hookline und das darf man nicht machen, weil es ja das Wort Gottes ist. Man darf das Wort Gottes nicht für kommerzielle Zwecke missbrauchen. Das ist verboten.
GMF: Absolut. Nun gut. Dann kann man verstehen, dass Arabische Menschen ein richtiges Problem damit haben. Aber das ist ja das Verrückte an Hip Hop. Wir samplen alles, sogar wenn wir dafür Probleme bekommen.
rap.de: Sogar das Wort Gottes?!
GMF: Ich denke, dass Busta Rhymes ein sehr bewusster Mensch ist und DJ Scratch eigentlich auch. Ich denke, wenn sie das gewusst hätten, dann hätten sie das nicht gemacht. Aber woher soll man das wissen. Als ich mir den Song angehört habe, hätte ich nie gedacht, dass diese Zeilen Worte aus dem heiligen Koran stammen. Man müsste ja schon arabisch sprechen, um das zu verstehen. Ich kenne Busta persönlich und er hätte das auf keinen Fall gemacht. Es gibt einen Punkt, wo man Respekt zeigen muss und Busta hätte diesen Respekt auf jeden Fall gezeigt.
rap.de: Er hat sich ja dann auch entschuldigt.
GMF: Na immerhin. Aber das Problem ist ja auch, dass die Rapper den Beat nicht selber machen. Vielleicht hat er den Beat einfach nur gehört, da war das Sampler schon drin und dann hat er sich gedacht: Wow. Das klingt gut. Das will ich benutzen.
rap.de: Ok, zurück zu deiner Radioshow. Im Pressetext steht, dass sie "das gesamte Spektrum des Geschmacks von Flash" zeigt. Was ist denn dein Geschmack?
GMF: Mein Geschmack umfasst eigentlich beinahe alles. Nachdem ich den Deal gekriegt hatte, habe ich das anfangs sehr ernst genommen. Ich habe dem Typen, der mich anstellen wollte, gesagt: "Wenn ich nicht spielen kann, was ich spielen will, dann will ich nicht bleiben." Vielleicht will ich an manchen Tagen nur Oldschool-Sachen spielen, an anderen vielleicht nur Neues, vielleicht beides, keine Ahnung. Ich brauche die Freiheit zu tun, was ich erfunden habe, immer. Es geht nicht anders.
rap.de: Wie betrachtest du HipHop heute?
GMF: Es ist riesig. Es erlaubt mir, durch die ganze Welt zu reisen und zu tun, was ich tue. Wie komme ich sonst hierher? Du musst dir vor Augen führen, der einzige Weg, wie amerikanischer HipHop in den Achtzigern nach Übersee kam, waren Kassetten. Leute haben Kassetten rüber gebracht und sie kopiert. Jetzt ist es ein großes Geschäft geworden, also benutze ich das Geschäft als meinen Antrieb. Meine Integrität ist, was ich tue. Es gibt viele Leute, die das alles schlecht finden, für diese Leute kann ich nicht sprechen, ich kann für sie kein Urteil fällen. Grandmaster Flash, kommt zu meinen Shows, ich werde euch umhauen.

rap.de: Wie siehst du dich selber?
GMF: Ich weiß es nicht, ich sehe mich einfach als Person mit einer Begabung. Wir alle haben eine Begabung. Meine Begabung ist Musik. Andere sind Ärzte oder Anwält,e was auch immer. Meine Begabung ist Musik und dieser Sache gehe ich nach. Ich betrachte mich selber nicht als etwas Besonderes oder so, ich mache das einfach.
rap.de: In deinem Buch, in einem der letzteren Kapitel, kommt es so rüber, als hätte Musik eine fast religiöse Bedeutung für dich.
GMF: Ich nehme es sehr ernst, den nächsten Break zu finden, die Leute zu unterhalten, alles. Ich nehme das sehr ernst. Wenn ich nach Deutschland komme oder egal wohin, dann vertraut darauf, dass ich gekommen bin um euch zu dienen.
rap.de: Du bringst uns Freude?
GMF: Ja. Ich will, dass ihr schwitzt, eure Hände und Arme in die Luft werft, was auch immer ihr sonst so macht, wenn ihr eurer Freude Ausdruck verleiht.
rap.de: Zum Beispiel Sex auf der Tanzfläche.
GMF: Was auch immer. Die Dinge sind rough, das Leben wird immer rougher.
rap.de: Es verändert sich doch auch sehr viel. Change is coming!
GMF: Ja, das stimmt. Aber bis dahin sind die Zeiten schwer. Wie Obama es sagt, und ich liebe es, dass er alles so durchsichtig hält: es wird noch schlimmer bevor es letztendlich besser wird. Da ist acht Jahre alter Schmutz, den es zu beseitigen gilt. Obama braucht mindestens zwei Amtszeiten um alles hinzukriegen, um die Bündnisse mit den anderen Ländern wieder gesund zu pflegen. Dafür wird er viel Zeit brauchen.
rap.de: Bist du stolz? Oder geht es dir wie Diddy, der sagt, wurde dadurch inspiriert, an sich zu arbeiten um sich selber besser und größer zu machen?
GMF: Ich möchte nicht sagen, dass ich stolz bin, ich bewundere ihn einfach. Die Arbeit des letzten Präsidenten endete in einem Fiasko. Dieser Kerl, ein Senator aus Chicago, den ich vor zwei Jahren noch nicht einmal kannte, kam mit einem Plan und sagte: "Hört zu! Wir müssen das ändern und ich brauche eure Hilfe." Sonst sagten die meisten Präsidenten oder die Leute in den hohen Ämtern so etwas wie: "Ich werde kommen, ich werde dies tun, ich werde das tun", als wären sie irgendein Gott oder Superman. Dieser Kerl kommt an, wie ein ganz normaler Mensch und sagt: "Was hier los ist, ist scheiße und es muss behoben werden. Und wir werden die Art, wie wir diese Probleme lösen, ändern. Wir werden eine ganz andere Richtung einschlagen, wir werden dies ändern und das ändern." Und er sagt, WIR werden es EINES TAGES behoben haben. Ich denke, er hat die richtigen Leute um sich geschart, die ihm dabei helfen werden, aber es braucht Zeit. Er braucht Zeit. Ich fühle mich schlecht, bei dem Gedanken an die die Leute, die ihren Job verlieren. Leute wie du und ich sind in der Unterhaltungsbranche. Wir werden unsere Jobs nicht verlieren, denn Unterhaltung wird es immer geben.

rap.de: Eine Menge Leute verlieren gerade ihre Jobs in der Unterhaltungsbranche.
GMF: Ich meine, was WIR tun. Wir machen Nachrichten, wir berichten. Die Leute müssen hören und sehen, was du tust. Die Gefahr, dass du deinen Job verlierst, ist sehr gering. Ich bin Grandmaster Flash, ich arbeite auf der ganzen Welt. Ich werde immer irgendwo auf diesem Planeten einen Job finden. Aber diese Leute mit den "9 to 5"-Jobs. Über diese Leute mache ich mir Gedanken. Sie müssen ihre Familie, ihre Kinder ernähren, die müssen ihre Miete bezahlen, die Hypothek. Diese Leute müssen wieder Arbeit finden, Leute wie du und ich finden immer einen Weg, aber das kann nicht jeder, verstehst du, was ich meine? Die normalen Leute stehen morgens auf und gehen zur Arbeit. Die müssen ihre Jobs wieder zurück bekommen. Die Wirtschaft in Deutschland, in England, in der ganzen Welt, wir müssen einen Weg finden, dass das funktioniert. Obama sagt: "Vielleicht wird es noch schlimmer, bevor es besser wird, aber wir müssen zumindest versuchen, es zu verändern" Wir sollten ihm eine Chance geben. Ich weiß noch nicht, was er tun wird, ich werde nicht ausflippen, fröhlich oder traurig sein, gar nichts. Ich bete nur für das Beste, das wars.
rap.de: Hast du gewählt?
GMF: Ja, habe ich getan, auf jeden Fall. Und ich habe es noch nie zuvor getan. Das ist das erste Mal, denn wenn ich früher durch die Kanäle gezappt habe und diese Präsidenten reden gehört habe, habe ich einfach weitergezappt. Aber wenn ich Obama sehe, muss ich stoppen. Ich stecke nicht besonders tief in dieser Politiksache, das ist immer sehr einseitig, einer wird immer verlieren. Aber so, wie Obama spricht, wird er das ausgleichen. Wir brauchen uns alle gegenseitig, das ist der Punkt.
rap.de: Glaubst du, Obama als Präsident ist auch ein Sieg für die HipHop-Kultur?
GMF: Meiner Meinung nach hat er den Oldschool-HipHop-Style. Er hat einfach diese "Bring it together"-Attitüde, er macht das eben politisch. Er möchte diesen ganzen Scheiß, der in Afghanistan abgeht, im Gaza-Streifen, oder im Irak stoppen. Er möchte Frieden schließen. Also, mach den Scheiß im HipHop-Style, Obama, come see me, man!
rap.de: Danke dir, Mann, es war mir eine Ehre.




